Die Inhalte der Vorträge und Workshops

 

Vorträge

 

Konflikte in Organisationen: Die Bedeutung der Selbstwert-Bedrohung

Prof. Norbert K. Semmer, Universität Bern

 

Selbstwertbedrohungen sind ein typisches Merkmal von Konflikten – als auslösendes Element, als treibendes Moment von Eskalation und als Hindernis für vernünftiges Konfliktmanagement. Sie treten in vielfaltigen Formen auf, von der Missachtung von Vorschlägen und Meinungen bis hin zu klaren Beleidigungen. Sie werden von den Beteiligten häufig als «Reaktion» auf die «Aktion» der anderen Seite verstanden, leiten von sachlichen Meinungsverschiedenheiten zu persönlichen Animositäten über und führen dazu, dass ein «Nachgeben» als Schwäche verstanden wird. Am Anfang stehen dabei oft Verhaltensweisen wie Rechthaberei, Pauschalisierungen, Unnachgiebigkeit, bei denen den Agierenden nicht immer klar ist, wie verletzend das sein kann. Mit zunehmender Eskalation wird die Sachauseinandersetzung immer unerbittlicher, im weiteren Verlauf gerät aber der eigentliche Konfliktgegenstand zunehmend aus dem Blickfeld, das Hauptaugenmerk liegt auf der Herabsetzung der Gegenseite und der Verteidigung des eigenen Selbstwerts. Der Vortrag beleuchtet:

  • die – oft nicht unbedingt beabsichtigte und schleichende – Entwicklung von möglichen Sachthemen zu selbstwertbezogener Personalisierung und die damit verbundene Eskalation
  • Wege zur Vermeidung dieser Eskalation sowie zur De-Eskalation – ohne inhaltliche Positionen einfach preiszugeben
  • die Notwendigkeit, unter manchen Umständen Bedrohungen des Selbstwerts der Gegenseite in Kauf zu nehmen, um handlungsfähig zu bleiben - aber bewusst, begrenzt, überlegt und zur Beförderung sachlicher Interessen anstatt zur Pflege des eigenen Egos.

 

Konfliktfähigkeit als entscheidende Führungskompetenz in Sport und Wirtschaft  

Dipl.-Psychologe Fabian Arimond, Coaching Competence Cooperation Rheinland

 

 

Konfliktfähigkeit, die u.a. bedeutet, Konflikten und kritischen Situationen nicht aus dem Weg, sondern sie im Gegenteil aktiv und frühzeitig anzugehen, um konstruktiv eine Lösung herbeizuführen, wird vor dem Hintergrund steigender Anforderungen immer mehr zu einer entscheidenden Führungskompetenz.

Viele Führungskräfte in Sport und Wirtschaft scheitern mit Blick auf die Anforderung, das Spannungsfeld zwischen klarer Positionierung, auch bei etwaigem Widerstand, einerseits sowie zum anderen der offenen und konstruktiven Auseinandersetzung mit der Meinung anderer, sicher zu bedienen. Dabei ist es gerade heute umso mehr von Nöten, Mitarbeitende führungsseitig zu einem offenen Austausch zu ermutigen und eine konstruktive ,Konfliktkultur‘ innerhalb des eigenen Verantwortungsbereichs zu etablieren. 

Der Vortrag beleuchtet anhand verschiedener praxisnaher Fallbeispiele aus Sport und Wirtschaft, in welcher Art und Weise die Ausprägung der Konfliktfähigkeit von Führungskräften die Performanz eines Systems entweder positiv oder negativ beeinflussen können.

 

 

Konflikte vermeiden – oder sie nutzbar machen?

Prof. Astrid Schütz, Universität Bamberg

 

Den Abschluss des Fachtages „Konflikte in Organisationen“ bildet ein Vortrag für die Öffentlichkeit. Astrid Schütz wird aktuelle Befunde und eigene Studien vorstellen sowie die Ergebnisse des Fachtages integrieren und auf dieser Basis Handlungsimplikationen ableiten. Dabei wird betrachtet, was Führungskräfte zur Vermeidung und zum konstruktiven Umgang mit Konflikten beitragen können und inwiefern Konflikte in Organisationen sogar positiv nutzbar gemacht werden können.

 

 

 

Workshops

 

I) Konflikte lösen, nutzen und vermeiden. Umgang mit Konflikten in Mehr-Personen-Konstellationen

Dipl.-Psychologin Frauke Wilhelm, Sportpsychologin, DFB

 

Konflikte gehören auch im sportpsychologischen Kontext zum beruflichen Alltag wie z.B. innerhalb einer Mannschaft, zwischen Athlet_in und Trainer_in, mit Vereins-/ Verbandsleitung oder mit den Eltern jugendlicher Athlet_innen.

Die Vielfältigkeit der möglichen Beteiligten und die extrem leistungsorientierte und emotionale Welt des Leistungssports machen den konstruktiven und zielgerichteten Umgang mit Konflikten in diesem Feld besonders spannend und herausfordernd.

Im Workshop beschäftigen wir uns mit Best-Practice Beispielen, Do’s und don’ts und weiteren Möglichkeiten für das Lösen, Nutzen und Vermeiden von Konflikten im Kontext Leistungssport.

 

 

 

II) Wie löse ich meine eigenen inneren Konflikte?

 Dipl.-Psychologe Christoph Schalk - empowerment.zone

Manchmal sitzen wir im wahrsten Sinne des Wortes zwischen den Stühlen und sind innerlich hin- und hergerissen. Wie kommen wir aus solchen Dilemmata wieder heraus? Wie lösen wir innere Konflikte auf? Ansätze aus der Arbeit mit inneren Anteilen und Werkzeuge wie das Multilemma oder das Zürcher Ressourcen Modell haben sich bewährt und werden im Workshop im Sinne einer Anleitung zum Selbstcoaching vorgestellt.

 

 

 

III) Wie können Organisationen so gestaltet werden, dass hinderliche Konflikte seltener auftreten?

Dipl.-Psychologin Carola Pöppel, Personalentwicklung, WAREMA

 

Konflikte werden selten durch nur eine als problematisch erlebte Beziehung oder Situation ausgelöst. Sie entstehen viel häufiger aus komplexen Verkettungen ungünstiger organisationaler und individueller Faktoren. Egal ob Konflikte brodeln oder unterschwellig schwelen, sie beanspruchen viel Energie und beeinträchtigen so die Funktionsfähigkeit von Organisationen. Daher ist es erstrebenswert, Konflikte möglichst gar nicht erst aufkommen zu lassen. 

Wer jedoch Führungskräften allein die Rolle der Konfliktvorbeugung zuschreibt, macht es sich zu einfach. Denn auch sie sind in ein organisationales System eingebettet, das möglicherweise die Entstehung hinderlicher Konflikte begünstigt. In dem Workshop wollen wir uns daher folgende Fragen stellen:

Welchen Einfluss hat die Organisationsform auf das Konfliktpotenzial? Wie können Arbeitsbedingungen gestaltet werden, die die Entstehung von Konflikten verringern? Wie können die in Konflikten gebundenen Energien genutzt werden anstatt lahmzulegen? Welche Aufgaben ergeben sich daraus für Führungskräfte und Personalentwickler?

 

 

IV) Welche Beiträge können Führungskräfte zur Vermeidung und Auflösung von Konflikten in ihrem Team leisten?

Dipl.-Psychologe Pablo Mair, BMVg/Psychologischer Dienst der Bundeswehr/Militärpsychologe

 

   

 

In unserem Workshop werden Methoden zur proaktiven Vermeidung sowie konstruktiven Lösung von Konfliktsituationen für Führungskräfte vermittelt. Hierbei liegt der Fokus auf praxisnahen Beispielen anhand der die Methoden gemeinsam eruiert werden können.

 

 

 

V) Die Führungskraft als Konfliktpartei

Sam Schaal, Talent Developer, TOTAL

 

Im Workshop sollen verschiedene Strategien und Verhaltensweisen erarbeitet werden, wie eine Führungskraft mit Konflikten umgehen kann, an denen sie selbst beteiligt ist. Dabei soll einerseits der Fokus auf Konflikten liegen, die mit unterstellten Mitarbeiterinnen oder Vorgesetzten auftreten, d.h. wenn ein direktes hierarchisches Gefälle besteht. Andererseits soll ein Blick auf Konflikte mit Führungskräften aus anderen Teams/Abteilungen geworfen werden, die sich aus der Aufgaben- und Ressourcenverteilung innerhalb von Organisationen ergeben können.

 

 

VI)  Sind emotional intelligente Führungskräfte die besseren Konfliktlöser?

Dr. Christina Köppe, Managerin für Führungs- und Personalentwicklungsprojekte der REHAU Academy der REHAU AG & Co.

 

Konflikte sind Teil des Arbeitsalltags von Führungskräften. Sie entstehen zwischen Kollegen, mit Kunden, und manchmal ist die Führungskraft auch selbst Anlass des Konflikts. Im Rahmen des Workshops wird gemeinsam erarbeitet, welche Rolle die Emotionale Intelligenz der Führungskraft für das Entstehen und Lösen von Konflikten spielt. Dabei steht das Vierfacetten Modell nach Mayer und Salovey im Fokus sowie dessen praktische Anwendung.

 

 

 

VII) Mediative Elemente für die Konfliktlösung in Organisationen nutzen

Dr. Andrea Zechmann, Wirtschaftspsychologin, Mediatorin und Vorstandsmitglied der Deutschen Stiftung Mediation

 

 

Konflikte in Unternehmen sind nicht nur alltäglich, sondern auch mit Kosten für die an ihnen beteiligten Personen und das gesamte Unternehmen verbunden. Im Workshop wird auf Merkmale und Vorläufer von Konflikten eingegangen, der eigene Umgang mit Konfliktsituationen reflektiert und es werden Möglichkeiten der Konfliktlösung erlebbar gemacht. Im Fokus stehen dabei Elemente aus der Mediation, wie der Fokus auf die Interessen der Konfliktparteien, an der Transaktionsanalyse orientierte Gesprächstechniken sowie die Bedeutung wahrgenommener Gerechtigkeit für die Konfliktlösung.

 

 

 

VIII) Coaching als Führungsaufgabe

Dipl.-Psych. Anja Postler

 

Wie können Führungskräfte für Mitarbeitende hilfreich sein, die innere Konflikte erleben?

Haltung, Gesprächsführung und konkrete Interventionen.

Innere, also intra-personelle Konflikte spielen sich nicht in Interaktion mit anderen ab, sondern finden (wie der Name schon sagt) oft unentdeckt im Inneren einer Person statt. Sie entstehen z.B. im Zusammenhang mit schwierigen Entscheidungen oder Rollenkonflikten und können eine innere Zerrissenheit auslösen, die sich leistungsmindernd auswirkt. Wie kann eine Führungskraft also erkennen, wenn ein(e) Mitarbeiter*in unter einem solchen inneren Konflikt leidet? Welche Möglichkeiten gibt es, angemessen zu reagieren und bei der Lösung zu helfen? Wie sieht eine wirkungsvolle Konfliktprophylaxe aus? Und ist es möglich, innere Konflikte sogar konstruktiv nutzbar zu machen? 

Der Workshop regt auf Basis von Fallbeispielen dazu an, den Handlungsspielraum von Führungskräften auszuloten, den sie im Umgang mit den inneren Konflikten ihrer Mitarbeiter*innen haben - von der eigenen Haltung, über Strategien zum lösungsorientierten Führen von Mitarbeitergesprächen, bis hin zu konkreten Interventionen. Angeleitet durch kreative Impulse und Techniken entwickeln die Workshopteilnehmer*innen Ideen für praktische Maßnahmen und erarbeiten einen Leitfaden für den Kampf gegen innere Konflikte.  

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